Faszien sind faszinierend

Jetzt gibt es fast keinen Menschen mehr, der nicht schon von den „Faszien“ gehört hat. Das war im Jahr 2000 ganz anders. In diesem Jahr hatte ich das erste mal davon gehört. Im Rahmen einer Fortbildung zur Manuellen Therapie und auch während der Ausbildung zur Osteopathie wurde uns viel Wissen über die Faszien beigebracht. Ich war so „faszieniert“ davon, dass ich viel mehr darüber wissen wollte. So machte damals zusätzlich viele Kurse bei den verschiedensten „Faszien-Gurus“. Jeder hatte seine eigene Technik und Herangehensweise. Manches waren schmerzhafte Techniken, manche sehr sanft. Am Interessantesten fand ich die Erklärungen der Zusammenhänge der Faszien von Kopf bis Fuß – die Faszienketten.

Faszienketten

Verbindung Fuss zu Kopf

Die Faszien bilden eine durchgehende Verbindung von Kopf bis Fuß, von vorne nach hinten. Dieses Bindegewebe zieht sich durch den gesamten Körper. So sind die Zusammenhänge verständlich. Nicht selten führen z.B. Beinfehlstellungen zu Schulterfehlstellungen, Kopfblockaden aufgrund Beckenschiefstand usw.

Die Faszien gehen von der Oberfläche in die Tiefe. So kann es sein, dass eine alte Sprungelenksverletzung über die Faszienkette des Beines zum Becken in die Tiefe zur Blase zieht. Dies kann z.B. zu Blasenstörungen führen.

Was sagt die Wissenschaft?

Damals 2001 hatte ich ein Gespräch mit einem operierenden Orthopäden. Für den waren die Faszien nur „Abfall“. Und die Osteopathen nur Spinner, die nur glauben, dass Faszien wichtig seien. Man kann doch Faszien nicht spüren oder therapieren. Und das obwohl schon A.T. Still (Begründer der Osteopathie) um das Jahr 1900 schon von den Faszien sprach. Auch führende Osteopathen in den 1960-Jahren hatten schon Faszientechniken entwickelt.

Was war ich dann froh von Prof. Dr. Robert Schleip zu hören. Der hat die Faszien wissenschaftlich untersucht und forscht unermüdlich daran. Ich nahm (denke ich) um 2012 an einem Kurs über das „Faszientraining“ teil. Er hat ein richtiges Konzept für das Training für Faszien entwickelt. Und man konnte endlich wissenschaftlich die Zusammenhänge der Faszien erklären. Ich war begeistert. Jetzt konnten Patienten effektive Übungen zu Hause durchführen. Ein Therapeut ist nicht immer notwendig.

Faszie Muskel Sehne Knochen – Verbindung

Ohne Faszien würden Muskeln nicht an „Ort und Stelle“ bleiben. Die Faszien führen die Muskeln, sind darin eingebettet. Aus dem Anatomiebuch kennt man nur die Muskeln, dann die Sehnen die dann am Knochen ansetzen. In der Realität (am LEBENDEN Menschen) sieht es ganz anders aus. Hier gehen die Muskelfaszienverbindungen (Ein Bindegewebe mit vielen Muskelanteilen) langsam in die Sehne über (hier verändert sich das Bindegewebe langsam zu festeren Strukturen) und anschließend verlaufen diese Fasern dann in die Knochenhaut (noch festere Strukturen). Von dort aus gehen Sie nahtlos weiter zur nächsten Sehnenfaszie und dann wieder zur nächsten Muskelfaszie.

So entstehen „Verkettungen“. Der natürliche Bewegungsablauf besteht ja nicht aus einzeln isolierten Muskelanspannungen, sondern funktionell immer mit dem gesamten Bewegungsapparat.

Flüssigkeit im Bindegewebe

Zwischen den einzelnen Faszien befindet sich eine Flüssigkeit (daher ist trinken immer gut für das Bindegewebe). Diese erlaubt es, dass die Faszien aneinander gleiten können. Diese Schichten müssen verschieblich sein. Nur so können Bewegungen fein und harmonisch ablaufen. Durch Unfälle, Verletzungen, Fehlhaltungen, einseitige Haltungen, Fehlernährung, psychischen Problemen, usw. fangen an diese Faszien weniger verschieblich zu werden. Die Flüssigkeiten verändern sich zu gelartigen Strukturen. Man sagt die Faszien „verkleben“. Werden diese Verklebungen nicht gelöst, verändert sich das Bindegewebe zu immer festeren Strukturen und verändert die Muskelfunktion negativ.

Die Verbindung zu allen Zellen

Dies hat Auswirkungen auf den gesamten Körper, denn im Bindegewebe sind viele Immunzellen eingelagert, viele Lymphgefäßendigungen, viele kleine Gefäße und Nerven. Das Bindegewebe ist die Zwischenschicht zu den Zellen und zwischen den einzelnen Organen. Sie gewährleistet den Schutz der Organe und dessen Versorgung und Entsorgung. Ist dieses Gewebe verklebt und verdickt, kommt es zu Engpässen der Zellver- und Entsorgung. Des weiteren werden Entzündungsfaktoren gebildet (Das Gewebe ist schmerzempfindlich). Die Nerven schlagen Alarm und das Gehirn versucht das Gewebe zu schonen. Ein Teufelskreis beginnt.

So können chronische Schmerzen entstehen aber auch viele andere chronischen Erkrankungen (wobei natürlich noch andere Faktoren eine Rolle spielen).

Faszinierend

Dieses Bindegewebe nennt man auch Extrazelluläre Matrix. Hierzu gibt es schon etliche wissenschaftliche Studien darüber. Schon seit den 60-er Jahren. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen „Kampf“ zwischen L. Pasteur und P. Bechamp‘. Pasteur war der Meinung, dass Krankheit Zufall wäre und die Bakterien an allem Schuld war. Während Bechamp‘ der Überzeugung war, dass die Bakterien schon immer zum Menschen gehörte und nur so sich Leben entwickeln kann. Nur die Zellumgebung bestimmt, ob Bakterien krank machen können. Selbst Hippokrates war schon früh der Meinung, dass Krankheiten durch uns entstehen.

Ich kann aus Erfahrung sagen und da sind sich viele Naturärzte einig, dass Bechamp‘ Recht hatte. Am Sterbebett musste es sogar Pasteur zugeben. Er soll da gesagt haben:

„Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles.“

Pasteur zu Bechamp‘

Es ist besser für ein gesundes Milieu zu sorgen, dann können Keime nicht gedeihen, als Keime mit Antibiotika immer wieder zu eliminieren. Denn das zerstört auch das Milieu (ausgenommen Notfälle).

Aber wer von den beiden hat den Kampf entschieden: leider Pasteur (obwohl im Unrecht). Denn die Schulmedizin entwickelte sich zu einer Pharmamedizin. Das ist das Geschäft des Jahrhunderts geworden. Leider mit immer mehr chronisch kranken Menschen (ausgenommen Notfallmedizin – da berechtigt).

Ich behandle lieber das Milieu – die Faszien. I love it…

Dies Funktionen müssen Faszien erfüllen für Gesundheit:

  • Kraftübertragung
  • Muskelführung
  • Sensorische Weiterleitung über Haltung, Bewegung und Berührung (LIEBE) an das Gehirn (über Nerven) – über Probiozeptoren/ Mechanorezeptoren und Interozeptoren
  • Blutversorgung zu Organen
  • Entsorgung von „Müll“ über Lymphgefäße
  • Immunwirkung für schnelle Reparatur nach Verletzung
Die Natur – der perfekte Architekt

Aus diesen Gründen ist die Faszientherapie ein wichtiger Bestandteil in meiner Praxis.

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