Barfuß

Bewegung, unsere Füße

Die Füße sind für die optimale Bewegungsökonomie sehr wichtig. Leider werden sie von uns sträflich vernachlässigt. In meine Praxis kommen schon 5-jährige mit Plattfüßen, Spitzfussstellungen, schlechter Motorik und ungenügender Stabilität. Die Nervenansteuerungen sind häufig verkümmert.

Ich kenne fast keinen Patienten, der optimal entwickelte Füße hat. Hallux Valgus, Fersensporn und Knick-Senk-Spreizfüße sind schon zu Volkskrankheiten geworden. Dabei sind die „Haxn“ unser Fundament für den Körper. Wie beim Hausbau: wenn’s unten net paßt, …

Wie soll denn der Rücken entlastet werden, wenn die Muskulatur der Beine und Füße schwach und verkürzt sind? Wenn die natürlich „Federung“ des Fussgewölbes fehlt?

Ach ja, dafür kann man sich ja super gute Schuhe kaufen: mit Einlagen und Dämpfung. Mit Stabilisatoren und weis der Geier… sogar für Kinderschuhe gibt es Top-Ausführungen, dass die Kinder ja früh genug das Laufen verlernen.

Laufen kann ja jeder

Sollte man meinen. Aber wenn ich die Menschen beobachte, muss ich da leider widersprechen. Das ist kein Laufen mehr, das ist ein „Dahinschleppen“. Jugendliche mit katastrophalen X-Beinen, die Füße knicken beim Laufen weg, das ich vom Zuschauen schon Schmerzen bekomme.

Ich schließe mich da leider auch mit ein: Ich versuche zwar mit Gymnastik und richtigen „Gehen“ meine Beinachsen zu verbessern, aber das tägliche Stehen, 8 Stunden an der Bank oder das Sitzen fordert seinen Tribut. Manchmal „hatsche“ ich fast genauso wie oben beschrieben. 🙁

Durch das Training und durch bewußtes Beinachsengerechtes Gehen konnte ich schon einiges verbessern: Keine Rückenschmerzen und Knieschmerzen mehr und Achillessehnenreizungen sind jetzt Vergangenheit.

Was sind die Gründe?

Die Kleinkinder können noch nicht mal laufen, da bekommen manche schon Schuhe. Gehen Sie mal für Ihre Kinder Schuhe kaufen: total überteuerte und für die Muskeln der Füße schlechte Schuhe werden Ihnen da empfohlen. Mit Einlagen, Fersenerhöhung, Knöchelschutz und kaum biegbar.

Kein Wunder, daß die Kleinen dann nicht mehr gehen, sondern bald eher „Trampeln“. Mit Klötzen an den Beinen läuft es eben schlecht. Wenn man dann mal wandern geht, müssen es schon richtige Wanderschuhe sein. Selbst bei kleinsten Wanderwegen zieht man Stiefel an, 20 kg schwer (pro Bein) 😉 . Diese Stiefel verhindern ein natürliches Gangbild – die Füße verkümmern.

Wir haben Angst vor Umknicken oder das uns Steinchen pieken. Daher am besten die dicksten Sohlen und mit Knöchelschutz. Wir haben wohl vergessen, dass an unseren Fusssohlen viele Nervenendigungen sind, die den Untergrund spüren müssen. Nur so werden die Muskeln für Gleichgewicht aktiviert. Mit dicken Sohlen verliert man das Gleichgewichtsgefühl. Unsere aktivierten Muskeln verhindern ein Umknicken. Die Beweglichkeit an den Füßen ermöglicht ein Federn, das schafft kein Schuh.

Unsere hochgebildeten Orthopäden scheinen diese Tatsachen wohl verlernt zu haben. Sie verschreiben „starre“ Einlagen ohne nennenswerte Funktion um die Statik zu verbessern. Manchen kann das ja helfen, aber der Großteil der Patienten haben keinen Nutzen daraus, manchmal schaden Sie sogar. Es wird zwar dann OPTISCH ein Fussgewölbe aufgebaut, aber die Fussfunktion verkümmert zusehends.

Wäre es nicht besser, wenn die Funktion ohne Einlagen wiederhergestellt werden kann? Und: Ja – das geht!

Barfuss auch im Winter – da wird man fit…

Die Lösung

Fussgymnastik um die Beweglichkeit der Knöchelchen wiederherzustellen und die verkürzten Fussmuskeln wieder zu dehnen.

Fusskrafttraining um die Muskeln wieder aufzubauen. Die sind es ja, die unser Gewölbe bilden. Die können sogar einen Hallux wieder an die Position bringen (unterstützend). Dies ermöglichen ein leichtes und federndes Gehen.

Faszientraining um die Kraftübertragung zum restlichen Körper zu gewährleisten. Schliesslich verbinden die Faszien die Füße mit den Knien, Hüften, Becken, Rücken – bis zum Kopf und Kiefer. DURCHGEHENDE VERBINDUNGEN.

Neurologisches Training. Was helfen gute Muskeln und Beweglichkeit, wenn unser Gehirn diese nicht vernünftig ansteuern kann. Wir haben an den Füßen (Muskeln, Faszien und Gelenken) Rezeptoren, die die Informtationen über die Wirbelsäule zum Gehirn weiterleiten. Durch Verschaltungen (v.a. Kleinhirn) werden dann die Motorischen Areale aktiv und gewährleisten eine ökonomische Muskelfunktion.

Und wenn diese Massnahmen nicht mehr greifen, kann man zur Unterstützung spezielle Einlagen nehmen: Probiozeptive Einlagen. Diese unterstützen nicht passiv den Fuß, sondern aktiv. So können die Muskeln nicht verkümmern, sondern sogar aktiviert werden. Man trainiert dadurch automatisch die Muskeln. Wenn es gut läuft 😉 werden die Einlagen mit der Zeit sogar wieder überflüssig. Gleichzeitig werden Reize über Reflexwege gesetzt, die das Gehirn mit trainieren. Diese Einlagen können sogar so zusammen gebaut werden, dass man Beckenschiefstände korrigiert.

Probiozeptive Einlagen – Urzustand, ohne Anpassung
Probiozeptive Einlagen -speziell angepasst, jederzeit veränderbar, nach Testung der Muskeln und des Nervensystems

Dadurch daß die wenigsten Orthopädiegeschäfte diese Spezialeinlagen herstellen, habe ich mich im Rahmen einer Ausbildung selber darum gekümmert. Ich biete diese aber nie an, ohne zu wissen, ob das Nervensystem die Einlagen überhaupt annimmt. Sonst machen die besten Einlagen keinen Sinn. Und nur dann werden die Muskeln auf Dauer trainiert. Es muss aber vorher eine genaue Untersuchung und gegebenfalls therapiert werden, um einen Trainingseffekt zu erzielen. Die meisten brauchen dann nach ca. 1 Jahr keine Einlagen mehr.

Bei guter Muskelfunktion und Beweglichkeit UND mit der richtigen GEHTECHNIK empfehle ich Barfussschuhe. Es gibt mittlerweile tolle Schuhe, die optisch ganz normal ausschauen. Sogar meine Frau trägt welche und ist begeistert. Es gibt sogar welche, die für Geschäftsleute hergestellt wurden. Schauen aus wie normale „Geschäftsschuhe“, sind aber eine Wohltat für die Füße.

Ich habe fast nur noch Barfussschuhe: Ein paar für das Hallentraining, 2 Paar zum Joggen. Diese nehme ich sogar zum Wandern. Es ist ein Genuß, man spürt auf langen Touren keinen „Klötze“. Ich kenne keine Blasen, Hühneraugen, Hornhaut oder ähnliches. Verletzendes Umknicken geht nicht mehr. Ich habe Schuhe für die Stadt und für den Sommer „Sandalenähnliche“.

Ich habe mir vor ca. 5 Jahren Five Fingers gekauft. Die sind klasse. Der Fuss passt sich prima dem Untergrund an. Es ist zwar anstrengend für die „Wadeln“, aber ich fühle mich nach dem Tragen klasse.

Meine bunten „Haxn“ – voll peinlich für meine Kids 🙂
Damit kann man prima laufen, klettern, balancieren – und hat den richtigen Halt dabei – „affenmässig“

Die Schuhe trage ich nun schon viele Jahre. Das sieht man jetzt aber auch 😉 Wird wieder mal Zeit für Neue…:

Ich werde immer wieder gefragt, wo ich mein Equipment her habe. Diese Barfussschuhe habe ich mir hier gekauft und werde die nächsten auch wieder hier bestellen: Vibram FiveFingers V-RUN, Herren Laufschuhe, Mehrfarbig (Black/yellow), 43 EU —— *

Ich warne aber davor: Tragen Sie noch keine Barfussschuhe, wenn die Muskeln nicht trainiert sind und die Gehtechnik (Vorfuß-Ballenlaufen) nicht dem entsprechend angepaßt ist (Barfuss läuft man nicht so, als hätte man Schuhe an. Da würde man große Problem bekommen. Bei Naturvölkern und bei Kleinkindern kann man beobachten, dass unser „Hackenlaufen“ nicht normal ist). Ich werde in näherer Zukunft über meinen Newsletter näher darauf eingehen. Sie können sich hier anmelden.

Ich werden auch genauer auf die Gehtechnik eingehen, verschiedene Übungen und Informationen dazu.

Zu Beginn sollten diese Schuhe mal nur für 20 Min. bis zu einer Stunde getragen werden. Sonst kann es zu Überlastungsschmerzen oder sogar Entzündungen kommen. GUT DING WILL WEILE HABEN 🙂

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