Rückenschmerzen, die Ursachen

Wer kennt das nicht: Rückenschmerzen! Jeder 3. Erwachsene Deutsche hat öfter oder ständig Rückenschmerzen. Sogar Schüler sind häufiger damit geplagt (16%).

Umfragen ergeben, dass 10% der Erwachsenen täglich davon betroffen sind und sogar 17% mehrmals in der Woche. In diesen Fällen spricht man auch nicht mehr von akuten Schmerzen, sondern von chronischen Schmerzen!

Warum haben immer mehr Menschen chronische Rückenschmerzen?

Leider ist es so, dass die Schulmedizin chronische Schmerzen genauso behandelt wie akute. Schmerztabletten, Cortisonspritzen und Operation. Wenn man Glück hat, bekommt man vielleicht noch Physiotherapie.

Dass das nicht funktioniert, zeigen die Statistiken und ich erlebe es täglich in der Praxis. Im Gegenteil: die „Akutbehandlung“ bei chronischen Patienten führt zwangsläufig sehr häufig zur weiteren Chronifizierung.

Der Unterschied ist, dass bei akuten Schmerzen, meist auch wirklich nur diese eine Struktur betroffen ist, es zur Verletzung vom Gewebe geführt hat. Hingegen bei chronischen Schmerzen die Verletzung schon lange nicht mehr das Problem ist, sondern sich durch unterschiedliche Systeme fortgesetzt hat (Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel usw.).

Was nützt es dann, ständig einen Bereich akut zu behandeln, wo keine akute Verletzung mehr vorliegt? Ein Bereich, in dem es vielleicht schon zu Abnutzungserscheinungen gekommen ist? In diesen Fällen sollte die Behandlung anders ablaufen!

Akute Schmerzen richtig behandelt, würden sich kaum chronifizieren.

Chronische Schmerzen ganzheitlich behandelt, hätte eine Chance.

Ursachen von Rückenschmerzen

  • Durch Fehlhaltungen können Strukturen belastet werden, die dafür nicht ausgelegt sind. Diese Fehlhaltungen können entstehen durch Stürze/ Unfälle, durch Störungen von anderen Körperteilen (So können Knie- oder Fußfehlstellungen durch unser Fasziensystem sich auf unseren Rücken auswirken). Fehlhaltungen durch zu viel sitzen, zu wenig Sport, durch Übergewicht, aber auch durch zu viel Sport oder/ und durch schlechte Technik bei der Ausübung.
  • Durch unser Nervensystem ist der Rücken mit Organen verbunden. Es kann z.B. durch Darmstörungen zu unteren Rückenschmerzen führen. Bei Frauen sind es manchmal auch gynäkologische Probleme. (Umgekehrt aber genauso – Rückenbeschwerden können zu Organfunktionsstörungen führen).
  • Immer wieder kommt es auch vor, dass ich Behandlungsfehler korrigieren muss. Damit meine ich Operationen, Schuheinlagen oder Medikamente, die zur Verschlimmerung geführt haben.

(Natürlich mache ich auch Fehler, versuche diese aber immer zu korrigieren und daraus zu lernen)

  • Laut Umfrage geben 25% der Patienten Stress als Ursache an, 12% psychosomatische Gründe. Können da Spritzen helfen, oder osteopathische Techniken?
  • Nur bei sehr wenigen steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter. Wie häufig wird geröntgt und untersucht, ohne dass ein „wirklicher“ Befund herauskommt. Es kommt immer wieder vor, dass diese Patienten nicht ernst genommen werden.

Bei der Untersuchung auf ganzheitlicher Ebene stellt man aber sehr wohl fest, dass diese Patienten WIRKLICH Schmerzen haben müssen. Man spürt die Beschaffenheit der Strukturen, die Verspannungen, die Verklebungen, die fehlende Beweglichkeit der Strukturen. Diese Faktoren werden leider viel zu wenig berücksichtigt. Eine reine Diagnose aufgrund eines „Bildes“ und eine halbherzige Untersuchung führt sehr häufig zu Frust seitens der Patienten. (Natürlich ist röntgen etc. durchaus manchmal eine Hilfe und ab und zu auch wirklich notwendig – aber muss das schon beim ersten orthopädischen Besuch geschehen?)

Persönliches Erlebnis:

Ich hatte vor ungefähr 20 Jahren ein Erlebnis: Ich hatte eines Morgens extreme Nackenschmerzen, konnte den Kopf nicht bewegen. Ich ging zum Orthopäden (brauchte ja eine Krankmeldung). Was dann geschah, glaube ich bis heute nicht und wird immer noch so gehandhabt (erzählen mir viele Patienten):

  • Ich wartete ca. 2 Stunden im Wartezimmer
  • Dann hat mich der Arzt gefragt, was ich habe (30 Sekunden!!!)
  • Untersuchung 3 Sekunden, Halswirbel eingerenkt
  • noch mehr Schmerzen
  • Dann röntgen der Halswirbelsäule (nach einrenken!!!)
  • wieder warten 1 Stunde
  • Dann kam der Arzt, Aussage: Steilstellung, soll Schwimmen gehen
  • Ich: kann ich ein „manuelle Therapie-Rezept“ haben?
  • Er: Sie wissen doch, was zu tun ist (als Physiotherapeut)
  • Ich: kann mich aber nicht selbst massieren, bestand auf Rezept
  • Er: dann schreibe ich Ihnen 4x auf
  • Gesamtbehandlungszeit 3 Min (Ausbeute: Schmerzmittel, Alibirezept, noch mehr Schmerzen, Röntgenbelastung)

Weitere Gründe für Rückenschmerzen, erlebt in der Praxis:

  • Ich hatte z.B. Patientinnen, die hatten Rückenschmerzen, weil eine Narbe im Bauchraum (nach Kaiserschnitt) das Nervensystem irritierte. Diese Nerven führten dann auf Reflexebene zu Verspannungen im Rücken. Wenn die Behandlung der Verspannungen nicht zur Verbesserung führt, dann ist die Verspannung nicht das Problem.
  • Ich hatte Patienten erlebt, die erst eine Schmerzverbesserung erreicht hatten, nachdem die Ernährung umgestellt wurde. Nachdem eine Darm- oder Leberkur durchgeführt wurde.
  • Manche kamen mit Beckenschiefstand in die Praxis, mit ausstrahlenden Schmerzen in einem Bein. Die Ursache war eine Kieferfehlstellung, welche über Faszienketten zu dieser Beckenfehlstellung führte.
  • Ein anderer Patient hatte eine Wirbelsäulenverkrümmung, entwickelt in der Pubertät, weil der Kieferorthopäde eine Spangenbehandlung durchführte, ohne Rücksicht auf die Körperhaltung zu nehmen.
  • Patienten haben mir berichtet, dass die Schmerzen sich deutlich verbessert hätten,  nachdem der seelische Zustand sich verbessert hat.

Fazit:

Sie sehen, die Ursachen können sehr vielfältig sein. Es gibt in meinen Augen keine Standardtherapie, kein Standardrezept bei chronischen Rückenschmerzen.

Oft wird eine Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden, Zahnärzten und Optometristen notwendig sein, um Fortschritte zu erzielen.

Und der wichtigste Punkt: Mit der Mithilfe des Patienten, wenn die eigenen Ressourcen aktiviert sind, machen die meisten automatisch das, was einem „gut tut“.

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