Knieschmerzen, Hilfe durch Wissen

Wer kennt nicht irgendjemanden der über Knieschmerzen jammert. Was höre ich da immer wieder: „das muss der Meniskus sein“, „das sind Abnützungen“. Natürlich ist nach Sportverletzungen immer das Kreuzband schuld oder das Innenband und natürlich muss man immer operieren – das ist die allgemeine Meinung dazu.

Die meisten denken wirklich, alles was kaputt ist, kann man wegoperieren, ersetzen. Der Glaube an die Operation ist schon erschreckend: In einer Studie wurden „Scheinoperationen“ durchgeführt, d.h. nur mit einem Hautschnitt, ohne die kaputte Stelle anzurühren. Die Patienten dachten aber, dass „richtig“ operiert wurde. Das Ergebnis: die meisten waren hinterher SCHMERZFREI, oder es war deutlich besser! Natürlich kamen die Schmerzen später wieder. Dennoch war es eindeutig ein Placeboeffekt.

Was also hat es mit dem Knie so auf sich und warum sollte eine Operation die letzte Wahl sein? Was ist sinnvoll und was ist quatsch?

Das Knie – Anatomie für Laien

Das stimmt schon, das Kniegelenk besteht aus Knochen und Knorpel. Und natürlich sind dazwischen Menisken und Bänder. Aber wenn Sie einmal runterschauen, was ist da noch?

Ja genau: Muskeln, ganz viele sogar. Und eine Gelenkkapsel und viele, sehr viele Nerven und Arterien, Venen, Lymphgefäße und Schleimbeutel und natürlich FASZIEN. Am Röntgen sehen Sie aber nur die Knochen/ Knorpel. Was nützt Ihnen das? Nichts! Klar, wenn Sie Schmerzen haben und nur ein Röntgenbild, dann sieht man ABNÜTZUNGEN. Und natürlich kommen die Schmerzen nur davon. Aber wäre es möglich, dass die Schmerzen von einer anderen Struktur kommen? Da gibts ja noch mehr – gut, die kann man schlecht operieren, aber behandeln schon.

Ach ja, warum kommt es eigentlich zu Abnützungen?

Abnützungen entstehen NICHT durch zu viel bewegen. Sie entstehen durch zu wenig bewegen. Unsere Gelenke brauchen Bewegung, um den Gelenkstoffwechsel anzukurbeln. Ohne Bewegung, keine Nährstoffe. Keine Nährstoffe: Tod!

Aber auch durch zu einseitige Bewegung oder bei Sportlern Überlastung durch Fehlstellungen, durch ungünstiger Biomechanik (fehlende Technikschulung) kann es zu Abnützungen kommen.

Das Gelenk wird bewegt durch unsere Muskeln. JEDER, der bisher in meine Praxis wegen des Knies kam, hatte eine muskuläre Dysbalance, d.h. die Muskeln steuerten das Gelenk nicht optimal. Nach der Lösung dieses Problems waren die Schmerzen häufig deutlich besser. Wäre der Grund eine Abnützung, dann wäre es nicht besser geworden, oder?

Vor kurzem sah ich sogar mal ein MRT von einem Knie (d.h. die Weichteile um das Knie wurde auch beleuchtet). Dem Patienten wurde natürlich eine Operation empfohlen, wegen Meniskusschaden und Knorpelschaden.

Ich habe den Patienten 1x behandelt und die Schmerzen waren zu 80% geringer! Kniebeugen konnten durchgeführt werden. Wäre das wirklich mit den o.g. Schäden möglich gewesen? Die Bilder des MRT zeigten gaaaanz geringe Schäden, kaum sichtbar (gut ich bin kein Experte für MRT-Bilder, aber WO sind diese unbedingt zu operierenden Schäden?) Übrigens: nach der 2. Behandlung waren keine Schmerzen mehr da.

Die Ursache: der „Meniskusschmerz“ kam nicht vom Meniskus, sondern von einem Muskelansatz (der liegt nämlich genau darüber). Der Muskel war zu verspannt, weil das Becken verdreht war (der Muskel kommt vom Becken und geht zum Knie).

Der Patient bekommt Übungen, dass das Becken gerade bleibt. Bleibt das Kniegelenk dauerhaft in der ausbalancierten Stellung, dann kann sogar der Meniskus wieder heilen. Der Knorpel kann wieder regenerieren (ja, das ist wirklich bis zu einem gewissen Grad möglich!)

Um das Knie herum

Das Knie muss leider sehr viel aushalten! Denn jede Fußfehlstellung oder Beckenfehlstellung muss vom Knie kompensiert werden. Häufig ist das Knie nicht die Ursache der Schmerzen. Es ist nur so, dass die Fähigkeit der Kompensation irgendwann erschöpft ist.

Viele Muskeln führen vom Fuß zum Knie und viele Muskeln vom Becken zum Knie. Knick-Senk-Fuß oder Beckenschiefstand kann zu Problemen des Knies führen. Einlagen würden das Problem nur herauszögern, die Muskelansteuerung würde das Problem lösen.

Es gibt Nerven, die laufen von der Wirbelsäule durch die Leiste zum Knie, manche an der Blase/ Prostata vorbei, manche am Darm vorbei. Wäre es abwegig, dass eine Irritation dieser Nerven weiter oben, zu einer Fehlansteuerung des Knies führt?

Konsequenzen der Operation

Abgesehen von den enormen Kosten und der langen Ausfallzeit (Arbeitgeber und Sportler), kommt es durch eine Operation sehr häufig zu Fehlbelastungen durch Narben. Dadurch, dass die OP die muskuläre Ansteuerung nicht löst, haben viele nach einem halben Jahr wieder Schmerzen. Manche nach mehreren Jahren Arthrose!

Ein Gelenk ist ein luftleerer Raum, die Gelenkflächen sind aneinander geheftet wie 2 Glasplatten und dazwischen ist Wasser (Gelenkflüssigkeit). Sie können es nicht lösen, es haftet und gleitet. Eine Operation löst diese Haftung – die Konsequenz: Arthrose!

Das Risiko jeder Operation, die Infektionsgefahr – das weiß man ja mittlerweile.

Bänder können wieder heilen. Das dauert in der Regel 6 Wochen. Ja, auch Kreuzbänder sind Bänder 🙂

Natürlich müssen schwere Knieverletzungen, Zertrümmerungen oder Absplitterungen operiert werden, oder Teile von Menisken, die im Gelenk „wandern“. Das ist doch klar. Aber der Rest?

Die Bewegung

Früher dachte man immer, dass jede Bewegung zur Belastung der Gelenke führt. Heute weiß man, das ist zum großen Teil falsch. (Typisches denken: entweder oder, schwarz oder weiß).

Bei einer optimalen Ansteuerung über die Nerven auf unsere Gelenke, bei einer optimalen Steuerung und Sicherung der Muskulatur und eine optimale fasziale Weiterleitung auf den ganzen Körper werden nicht nur die Gelenke geschützt, nein Sie führen zu einer Entlastung! Eine gute „Menschennahrung“ sorgt für eine optimale Versorgung der Gewebe. Die Gelenke werden JÜNGER!!!

Aber: die o.g. Voraussetzungen sind leider nicht mehr so häufig anzutreffen. Durch zu viel sitzen, entstehen Fehlmuster, Fehlbelastungen durch Muskelverkürzung und Schwäche. Die Nahrung, die heute gegessen wird, ist keine „Gelenknahrung“ mehr. Sogar bei Profisportlern kommt das sehr häufig vor. Viele versuchen durch „Hightech-Schuhe“ (mit Dämpfung und Einlagen) und mit einer Laufanalyse diese Fehlbelastungen zu korrigieren. Andere brauchen Bandagen und Schmerzmittel. Und wieder andere gehen immer weniger zu Fuß, steigen aufs Rad um oder fahren nur noch mit dem Auto. Immer weniger Bewegung, Woche für Woche, schleichend – kaum merkbar.

Und irgendwann heißt es dann: „ja, ja – das Alter“.

Es wäre so einfach: In der Natur kann man in der Ferne nicht unterscheiden, ob ein junges Reh oder ein Altes davon springt. In Ländern, in der die Menschen noch viel abwechslungsreiche Bewegung haben, noch traditionelle Nahrung essen werden jung alt. Wir dagegen werden auch alt, aber früher krank.

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